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Was ist ein Herold

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Viele Leute heutzutage erzählen grausame Geschichten über Ihn. Er sei ein Stadtschreier gewesen, er sei einer gewesen der in den Städten Gesetze verlesen haben soll. Alles Quatsch ! Hier nun mal zur wahren Arbeit, liebes Volk.


Der Herold und seine Anwesenheit im Mittelalter

Was ist nun ein Herold : Woher kommt die Bezeichnung "für die Wappenkunde" ? Der Zusammenhang zwischen Wappen und Herolden ist nicht selbstverständlich , und der Begriff »Heraldik« besteht erst seit etwa dreihundert Jahren.

Denn eigentlich ist ein Herold ein Bote und Verkünder. Seine Aufgaben ist es, "des Heeres zu walten", ein Ausdruck, der vermutlich auf das althochdeutsche hariwalt zurückgeht. Auf dem Umweg über das altfranzösische herault drang das Wort in alle europäischen Sprachen ein. In seiner jetzigen Form aber findet es sich in der deutschen Sprache nicht vor 1367, in französischer Dichtung bereits seit 1285 in der Form hirau. Die überaus kriegerische Lebensweise der Gesellschaft des Mittelalters wies einem Heeresbeamten Aufgaben zu, die sich nicht immer von selbst verstanden.

Ein Bote musste oft zum Diplomaten werden, der auf dem schmalen Grat zwischen Botschafter und Kundschafter als ein Vorläufer des Gesandten der Neuzeit zu gelten hat. Die enge Beziehung zwischen Wappen und Herolden erklärt sich zwanglos aus der Heeresverfassung und der Art der Kriegsführung im Mittelalter.

Die feudale Gesellschaft war in endlose Fehden verwickelt, die nach ritterlichen Ritual begonnen, ausgetragen und unter unschätzbaren Verlusten an Land und Vermögen beendet wurde. Jeder Teilnehmer an einem Waffengang kriegerische oder mehr sportlicher Natur machte sich mit einem Wappen auf Schild , Helm und Banner wie auch auf der Pferdedecke kenntlich und war nur daran von anderen zu unterscheiden. Es musste also Leute geben, die an diesen Zeichen ablesen konnten, ob man Freund oder Feind vor sich hatte. Voraussetzung hierfür war ein gutes Gedächtnis, aber auch Vertrauenswürdigkeit; eine unwahre Berichterstattung hätte katastrophale Folgen gehabt . Und da zu allen Zeiten Wissen Macht ist , bildet sich aus der jeweiligen Umgebung der Kriegsherren eine Gruppe von Personen heraus, die über diese Eigenschaften und Kenntnisse verfügten. Dabei war ihre soziale Herkunft ausnahmsweise ohne Bedeutung.

Bereits wenige Jahrzehnte nach dem Auftauchen der ersten Wappen waren sie so zahlreich geworden, dass ihre Kenntnisse zum Rüstzeug der " Herolde " genannten Personen wurde , die man zwar vorher als Boten und Ausrufer von den Spielleuten und anderen fahrenden Volk nicht unterschieden hatte, aber jetzt zu Rate ziehen musste. Zum ersten Mal ist die Anwesenheit eines Herolds bei einem Gefecht im Juli 1173 nachgewiesen: damals bezeugt der Chronist Guillaume le Marechal, das ein Herold die Schlacht bei Drincourt in der Normandie beobachtet hat. Noch war das ein Einzelfall, eine Inanspruchnahme aus gegebenen Anlass. Die Einrichtung aber bewährte und festigte sich langsam. Immerhin weisen englische Ausgabenbelege für das Jahr 1290 auf einen " König der Herolde " in königlichem Dienst hin, und etwa vierzig Jahre danach taucht erst mal eine Amtsbezeichnung auf, wie sie später allgemein für die Herolde verwandt wurde. Ein Mann namens Andrew nannte sich zusätzlich "Norroy" (Nordkönig) zu einer Zeit, als der gemeine Mann noch keinen Familiennamen, sondern nur einen Taufnamen zu haben pflegte.

Königliche Bedienstete aber wurden aus der Menge durch Amtsbezeichnungen herausgehoben , die wiederum hierarchisch gestaffelt sein konnten. Nachdem sich die Herolde aus der Gruppe des Gesinde, der Spielleute und Abendunterhalter ausgegliedert hatten, stand an ihrer Spitze ein Wappenkönig oder König der Herolde, gefolgt  von den Herolden als nächste Stufe und den Persevanten (Amtsanwärter). So ist es jahrhundertlang gehandhabt worden, auch noch, als die eigentlichen Aufgabe der Herolde, der sie ihre öffentliche Wertschätzung verdankten, nicht mehr gestellt wurde.

Sie hatten sich stets , besonders aber in Kriegszeiten, in unmittelbarer Nähe Ihres Herren aufzuhalten und bei Tag und Nacht bereit zu sein, weswegen sie in den Zelten des Fürsten untergebracht wurden. Sollte eine fürstliche Verfügung bekannt gemacht werden, hatte der Herold seinen Wappenrock anzulegen und, von einem dreimal ins Horn stoßenden Trompeter begleitet, laut und deutlich der Zuhöhrerschaft den vorgeschriebenen Text vorzulesen, er hatte auch die Waffenruhe zu verkünden und Botschaften an den gegnerischen Befehlshaber zu übermitteln, sei es, um den Kampf anzubieten, die Übergabe eines festen Platzes zu fordern, oder um Kapitulationsverhandlungen vorzuschlagen, aber auch, um Zweikämpfe zwischen Einzelpersonen aus den gegnerischen zu organisieren. Einer namhaften Entlohnung durch den Gegner, der seine Nachricht endtgegennahm, durfte er gewiss sein, um so mehr, als man darauf achtete, dass er dessen Sprache beherrsche. Zurückgekehrt, durfte der Herold über beim Gegner beobachtete Zurüstungen, etwa einen Hinterhalt, kein Wort verlieren; er musste sogar so tun, als habe er ihn überhaupt nicht wahrgenommen. Andernfalls wäre er als Spion betrachtet worden. Immerhin durfte er seinem Herren mit Ratschlägen ohne nähere Begründung nützlich sein.

Herolde waren grundsätzlich unbewaffnet und wurden grundsätzlich nicht gefangen genommen. Sie hatten sich unmittelbar bei Kampfbeginn von der Fahne ihres Herrn weit genug, aber auch nicht zu weit zu entfernen, weil sie den Kampfverlauf anhand der Wappen verfolgten und auch das Verhalten der Kämpfer oder gar Feiglinge beobachten und melden mussten. Nach der Schlacht trafen sich die Herolde beider Seiten auf dem Schlachtfeld, um gemeinsam zu entscheiden wer derjenige ist, aus dessen Gefolge die meisten Toten stammten. Die Herolde des Verlierers begaben sich in der Regel zu dem gegnerischen Befehlshaber, beglückwünschten ihn zu dem Sieg. Darüber hinaus konnten sie dem Sieger Dienste erweisen. Nach den Gefechten fiel den Herolden die umfangreiche Aufgabe zu, die an den Wappen erkennbaren Gefallenen listenmässig zu erfassen, und für die Bestattung zu sorgen. Der Herold hatte sich auch um die Frage des Lösegeldes zukümmern. Zum Zeichen eines Sieges hatten die Herolde sogleich die Fahne ihres Herrn aufzupflanzen zu lassen und für die Ablieferung der Fahnen der Verlierer zu sorgen.

Und da die Herolde keine kämpferischen Erfolge erringen konnten , sollten sie statt Kriegsbeute ein voll eingerichtetes Haus oder Gegenwert in Geld erhalten.

Nicht nur die Steuerfreiheit war ein Privileg der Herolde , sondern auch die ungehinderte Freizügigkeit, die ihnen weite Dienstreisen gestattete, auf denen sie ihre Kenntnisse von fremden Ländern und deren Wappen erweitern konnten.

Die Herolde der Landesfürsten hatten keine Veranlassung, sich mit Wappenkunde zu beschäftigen, da diese Fürsten zur Wappenverleihung nicht berechtigt waren und also auch kein Interesse an der Überwachung hatten. Allerdings wurden Herolde der Landesfürsten mit der Ausrichtung von Turnieren betraut.

Quelle dieses Berichtes : Heraldik: Ottfried Neubecker

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